Warum Du Dein Zuggewicht reduzieren solltest!

Das Bild zeigt eine Haushaltswaage mit einem Zug darauf, die das Zuggewicht eines Compoundbogens symbolisieren soll.Wieviel Zuggewicht darf es sein?

Endlich mal eine Frage, die schnell abgehandelt ist. Viele Schützen fragen sich, wie viel Pfund sie schießen sollen. Gehörst Du auch dazu? Keine Panik, die Antwort ist ganz einfach:

so wenig wie möglich!

Vielleicht fragst Du Dich jetzt warum? Wird nicht immer gepredigt, dass, je höher das Zuggewicht, desto flacher die Flugbahn und schneller der Pfeil?

Das gleicht Entfernungs-Schätzfehler im Feld und beim 3D schießen aus. Zusätzlich wird der Pfeil weniger windanfällig und so weiter.

Ja, das sind alles berechtigte Argumente und sie entsprechen auch der Wahrheit. Allerdings ist es auch so, dass man sich diese flache Flugbahn mit so vielen Nachteilen erkauft, dass sich die Vorteile nicht lohnen. Und zwar bei weitem nicht.

Das Bild zeigt ein Herz, durch welches horizontal eine Pulsfrequenz läuftNachteil 1: Gesundheit

Fangen wir mit der Gesundheit an. Es gilt der Läufer Grundsatz „Das Training für den Marathon ist gesund – der Marathon selbst nicht.“.

Bezogen auf das Compound schießen bedeutet das, dass man sich keinesfalls permanent am Limit bewegen sollte. Aber genau das tut man, wenn man ein zu hohes Zuggewicht schießt. Der Fokus soll auf dem Schießen liegen, nicht auf Kraftsport! Zudem fördert jede Art von Überlastung den körperlichen Verschleiß. Immer.

Nachteil 2: Körperspannung

Das Bild zeigt ein Warndreieck mit Blitz und soll Körperspannung symbolisierenEs gibt von allem immer ein zu viel und ein zu wenig. So auch beim Zuggewicht. mit einem beherrschbaren Zuggewicht sollte man mindestens 150 Pfeile schießen können, bevor es anstrengend wird.

Sonst passieren während des Schussaufbaus mit der Körperspannung seltsame Dinge, die dazu führen, dass die Ergebnisse immer schlechter werden. Garantiert.

Im Vollauszug sollte man auf allen beteiligten Muskelgruppen so viel Spannung haben, dass man nicht wackelig wird, weil der Widerstand zu gering ist. Gleichzeitig soll die Spannung so niedrig sein, dass der Bogen den Schützen nicht „zusammen drückt“.

Ein Zuggewicht, welches zu hoch ist, führt immer dazu, dass man instinktiv die Gelenke „verriegelt“, weil man sonst nicht mehr dazu in der Lage ist, den Bogen ruhig zu halten, ohne innerhalb kürzester Zeit massiv zu zittern.

Dadurch wird man natürlich „kleiner“ und das floating (rühren im Ziel) nimmt zu. Recurveschützen kennen das, weil sie dann nicht mehr durch den Klicker kommen. Die Auswirkungen beim Compound sind neben einem stärkeren Floating beim Zielen noch, dass die Bogenarmschulter unbemerkt hoch kommt und sich dadurch der Ankerpunkt verschiebt. Alles in Allem also genau die Dinge, die man sicherlich nicht haben will.

Nun ist es aber so, dass man auch ein zu hohes Zuggewicht durchaus während der ersten Passen beherrschen kann und sich die angesprochenen Probleme erst im Laufe der danach folgenden Passen einstellen.

Leider bemerkt man diesen Übergang nicht. Er erstreckt sich über mehrere Passen in so kleinen Schritten, dass man der Überzeugung ist, alles wäre in bester Ordnung. Dass dem nicht so ist, zeigen dann die Ergebnisse auf dem Schießzettel.

Manche Schützen fangen dann an, die Visiereinstellung zu korrigieren und murmeln etwas von sich verändernden Lichtverhältnissen. Machen sie dann eine Pause und kommen an die Schießlinie zurück, sind die Lichtverhältnisse plötzlich wieder optimal .

Das Bild zeigt ein Anker SymbolNachteil 3: Wandernder Anker

Das schon angesprochene verschieben des Ankers hat jedoch die fatalsten Auswirkungen. Wir werden gleich sehen, dass eine wiederholbare Ankerposition sehr viel mit dem Stand und dem Auszug zu tun hat. Nun wirkt sich ein hohes Zuggewicht natürlich nicht auf den Stand aus. Dafür aber auf die Art, wie man den Bogen auszieht.

Ein zu hohes Zuggewicht zerstört die Körperspannung, weil es den Schützen zusammendrückt. Der Grundstein hierfür wird bereits beim Auszug gelegt. Dadurch, dass das Zuggewicht zu hoch ist, wird schon mit hochgezogener Schulter ausgezogen.

Sind die Schultern aber plötzlich höher als normal, hat das auch Einfluss auf die Releasehand. Es bringt diese zum kippen. Die Folge ist ein wandernder Anker. Auf die 50m Distanz kann das locker fünf bis acht Zentimeter ausmachen. Das ist die berühmte Streuung bis in die 7 auf der Scheibe.

Nachteil 4: Trainingspause

Bild zeigt den Schriftzug Schon mal zwei oder drei Wochen keinen Compound mehr in der Hand gehabt? Sei es aufgrund von Krankheit, Urlaub oder auch einfach nur keine Lust zum schießen gehabt?

Und? Wie haben sich die ersten Schüsse angefühlt? Wenn alles gut war, Du Dich sogar energiegeladen gefühlt hast und das schießen wieder richtig Freude gemacht hat, dann Glückwunsch! Alles richtig gemacht mit dem Zuggewicht.

Wenn es allerdings eine Qual war, der Halteraum nahezu doppelt so groß wie sonst, das Floating an eine wildgewordene Stechmücke erinnert hat, die Muskeln gebrannt haben und Du danach wirklich erschöpft warst, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass Dein Zuggewicht zu hoch ist.

Leider bemerkt man das so deutlich immer erst nach einer Pause. Solange man im regelmäßigen Schießbetrieb drin ist, bringt man die Probleme vielleicht gar nicht erst mit dem Zuggewicht in Verbindung.

Das schlimme daran: Du wirst zum Sklaven Deines Trainingsplans. Wehe wenn Du ihn nicht akribisch einhältst!

Fazit:

So wenig wie möglich – so viel wie nötig

Man sieht also, der einzige Vorteil eines hohen Zuggewichtes – nämlich ein schnellerer Pfeil – wird vollends von den Nachteilen überlagert. Deshalb kann die Devise nur lauten: runter mit dem Zuggewicht.

Solange die benötigte Entfernung bei sauberem Pfeilflug erreicht wird, gibt es keinen Grund, mehr Pfund zu schießen.

Außerdem sei an dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf die unterschiedlichen Cams erlaubt. Es macht viel mehr Sinn, aggressivere Cams in Verbindung mit niedrigem Zuggewicht zu schießen als weiche Cams mit hohem Zuggewicht.

Und zum Abschluss noch ein letzter Punkt. Schau Dir doch mal die Zuggewichte der Topschützen an. Und da vornehmlich bei den Frauen. Meist wird sich das Zuggewicht um die 50 lbs bewegen.

Falls Du ein Mann bist, könntest Du argumentieren, „ja, aber ich bin doch ein Mann, sollte ich mich da nicht auch an den Männern orientieren?“.

Gegenvorschlag: schieß doch einfach solange mit dem „Frauengewicht“, bis Du deren Ergebnisse erreicht hast . Dann kannst Du ja immer noch hoch mit dem Zuggewicht. So als Richtlinie kannst Du dazu rund 685 Ringe anpeilen.

 

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