Welchen Compoundbogen soll ich schießen?

Manche behaupten, das wäre egal, da das Problem ja hinter dem Bogen steht und ein guter Schütze mit jedem Bogen gute Ergebnisse schießt. Theoretisch ist das durchaus richtig. Praktisch sieht es aber etwas anders aus, wie wir gleich sehen werden.

Welchen Bogen man schießen soll, kommt einfach auf den geplanten Einsatzzweck an. Es gibt sogenannte

  • Targetbögen (auch Scheibenbögen genannt) für das Schießen auf bekannte Entfernungen wie WA (FITA)
  • Feldbögen für das Schießen auf Scheiben auch auf unbekannte Entfernungen (die aber tatsächlich bekannt sind)
  • 3D Bögen für das Schießen auf tatsächlich unbekannte Entfernungen und
  • Jagdbögen für die Jagd.

Das sind natürlich alles Compoundbögen und prinzipiell KANN man mit jedem Bogen alles schießen, das ist richtig. Zu behaupten, der Bogentyp wäre egal, ist jedoch falsch. Genauso gut könnte man dann auch sagen, jedes Auto ist für jeden Zweck geeignet.

Beispiel Bogenjagd und 3D

Nehmen wir beispielsweise den Jäger. Er braucht eine hohe Durchschlagwirkung, welche er nur über ein hohes Pfeilgewicht UND eine hohe Geschwindigkeit des Pfeils erreicht. Entsprechend hoch muss demnach sein Auszugsgewicht sein. Darüber hinaus schießt er nicht sehr viele Pfeile auf der Jagd. Er sitzt oder hängt relativ lange in seinem Blind oder Treestand und wartet auf Wild. Wenn dieses dann kommt, zieht er den Bogen aus und wartet auf den perfekten Moment, was unter Umständen sehr lange dauern kann. Auf dem Weg zu seinem Stand kann es ihm passieren, dass er durch Gestrüpp und dichtes Unterholz laufen muss, was umso schwerer wird, je größer der Bogen ist. Dann wäre es noch wichtig, dass der Bogen möglichst wenig Geräusche macht um das Wild nicht zu verschrecken.

Der perfekte Bogen für einen Jäger ist also so klein wie möglich, damit er ihn beim Laufen nicht behindert und beschleunigt den Pfeil auf eine ausreichende Geschwindigkeit, damit auch mit schweren Jagdspitzen die erforderliche Durchschlagskraft erreicht wird. Gleichzeitig ist er leise und braucht ein sehr hohes Letoff, da der Jäger unter Umständen sehr lange im Vollauszug verharren muss, bis er lösen kann.

Darüber hinaus muss ein Jäger die Entfernung zum Wild immer schätzen, schießt also quasi permanent auf unbekannte Entfernungen. Dazu kommen noch bergauf und bergab Schüsse. Auch hierfür benötigt er hohe Pfeilgeschwindigkeiten, denn je schneller der Pfeil, desto flacher ist seine Flugbahn und gleicht eventuelle Fehler bei der Entfernungsbestimmung aus.

Im Endeffekt verfügt ein guter Jagdbogen also über folgende Attribute:

  • Kleine Abmessungen
  • Hohe Geschwindigkeit
  • Hohes Letoff
  • Geringe Geräuschentwicklung

Natürlich handelt man sich mit einem solchen Setup auch Nachteile ein. Ein hohes Auszugsgewicht ist auf Dauer sehr unangenehm zu ziehen. Ein kleiner Bogen lässt sich zwar gut transportieren, ist aber sicherlich etwas zickiger zu schießen als ein großer, von Natur aus behäbigerer Scheibenbogen.

Ähnlich sieht es bei den 3D Schützen aus. Beim 3D Schießen wird ein Parcours abgegangen, auf dem zum Beispiel 28 Kunststofftiere gestellt sind. Dies kann auf relativ kleinem Raum stattfinden aber auch ganze Gebirgswanderungen zum Inhalt haben. Auch hier ist ein kleiner und leichter Bogen von Vorteil.

Und wie sieht es beim WA Schießen aus?

Ganz anders hingegen bei den WA (früher FITA) Schützen. Während eines 3D Turniers kann es passieren, dass man vier Stunden unterwegs ist und am Ende 28 Pfeile geschossen hat. Schießt man auf Scheiben, absolviert man in der gleichen Zeit locker das Zehnfache an Schüssen.

Nun kann sich jeder selbst ausrechnen, dass es bei dieser großen Anzahl an Schüssen angenehm ist, wenn sich der Bogen leichter ausziehen lässt. Auch die Anforderung an die Präzision ist beim Scheibenschützen eine andere. Während für einen Jäger das Ziel im Verhältnis zur Entfernung geradezu riesig und somit fast schon spielend leicht zu treffen ist, zählt beim Scheibenschießen jeder Ring und damit jeder Millimeter. Da tut ein etwas längerer und damit trägerer Bogen natürlich gut. (siehe auch Stabilisation)

Aus diesen Überlegungen heraus ist auch die Faustformel entstanden, dass Scheibenbögen lang sein und eine große Standhöhe haben sollen. 3D und Jagdbögen sollen kurz und giftig sein.

Nun, das war einmal so und hatte sicherlich auch seine Berechtigung. Mittlerweile ist diese Ansicht aber überholt und gilt – wenn überhaupt – nur noch für ältere Bogenmodelle.

Wir sehen also, ganz so einfach ist das gar nicht mit der Auswahl des richtigen Bogens. Konsequenterweise können wir eigentlich gar nicht den Bogen aussuchen, sondern die Disziplin. Nach dieser richtet sich dann der Bogentyp.

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