Timing und Synchronisation

Timing und Synchronisation ist nicht dasselbe

Weil es immer wieder falsch vermittelt wird, gleich vorweg: Synchronisation und Timing sind zwei verschiedene Paar Schuhe!

Was ist Timing?

Das Timing bestimmt die Position der Cams beim Start und dem Stopp der Auszugsbewegung und wie weit die Cam rotiert.

Bei der Entwicklung eines Bogens bestimmt der Konstrukteur auch die ideale Rotation der Cams und danach richtet sich dann die Länge der Kabel. Denn je länger ein Kabel, desto weiter dreht sich ein Cam beim Auszug – und umgekehrt natürlich.

Durch ein- oder ausdrehen des Kabels bestimmen wir also den Weg, den ein Cam während der Rotation vom Start des Auszugs bis zum Ende zurücklegt.

Wenn der Bogen über aktive Drawstopps verfügt, wird der Stopp mit diesen festgelegt. Läuft der Stopp jedoch gegen die Kabel, muss diese Stellung exakt durch die Länge des Kabels eingestellt werden. Dazu aber später mehr.

Timing für alle?

Alle Compoundbögen benötigen Timing. Unabhängig vom Cam System. Zwar braucht zum Beispiel ein Singlecam System keine Synchronisation – getimt werden sollte es aber trotzdem.

Was ist Synchronisation?

Das Bild zeigt eine Uhr auf der Cams die Zeiger darstellen und die Synchronisation symbolisieren sollenMit Synchronisation ist das zu jedem Zeitpunkt spiegelbildliche Verhalten der Cams gemeint. Und zwar auf ihre Stellung zueinander bezogen.

Um es zu verdeutlichen, kann man sich die Cams wie das Ziffernblatt einer Uhr vorstellen.

Wenn ein Cam beispielsweise auf 10:17 Uhr steht, bedeutet eine perfekte Synchronisation nichts anderes, als dass auch das andere Cam auf exakt 10:17 steht.

Der Unterschied zwischen Timing und Synchronisation

um bei dem Uhrenbeispiel zu bleiben: das Timing bestimmt, dass der Auszug beispielsweise um 6:00 Uhr beginnt und um 12:00 Uhr endet. Die Synchronisation sorgt dafür, dass an jedem Punkt des Auszugs die Cams dieselbe Uhrzeit anzeigen.

Timing oder Synchronisation – was kommt zuerst?

Immer, und wirklich immer mit dem synchronisieren beginnen. Einfach aus dem Grund, dass Timing nicht die Synchronisation – wohl aber das synchronisieren das Timing beeinflussen kann.

So, jetzt nochmal langsam zum mitschreiben .

Eingangs habe ich erwähnt, dass Timing und Synchronisation zwei verschiedene Paar Schuhe sind und dass dies oft falsch verstanden wird. Dazu ein Beispiel.

Bei einem gut eingestellten Bogen ist die Wand ein einziger, solider Stopp. Stimmt die Einstellung aber nicht, gibt es sozusagen zwei Stopps. Das passiert, wenn zuerst das eine und dann das andere Cam an den Stopps anschlägt.

Das Bild zeigt den Anschlag an einem Compound Cam mit aktiven DrawstoppDas Problem ist nun, dass zum Beispiel ein Bogen, der über aktive Draw Stopps verfügt, so eingestellt werden kann, dass sich die Wand absolut solide und bretthart anfühlt.

Das sagt aber leider nichts über die Synchronisierung aus. Denn in Wahrheit wurden lediglich die Stopps so positioniert, dass sie gleichzeitig anschlagen. Und das produziert immer eine harte Wand.

Die Cams können aber natürlich trotzdem asynchron laufen. In einem solchen Fall ist nach dem Lösen der Weg des einen Cams länger als der des anderen.

Um wieder das Uhrenbeispiel zu bemühen:

Im Vollauszug ist es zwar exakt 12:00 Uhr. Das eine Cam kann aber als Uhrzeit 11:59 Uhr anzeigen, während es beim anderen 12:01 Uhr ist.

Und wie eine Uhr vor- und nachgehen kann, läuft hier das eine Cam nach und das andere vor. Und bevor man einen Uhrenvergleich machen kann, muss man zunächst dafür Sorge tragen, dass alle Uhren synchron laufen.

Deshalb fängt man mit der Synchronisation an und erst danach kommt das Timing dran.

Welche Bögen müssen synchronisiert werden?

Außer echten Singlecam Systemen müssen alle Compoundbögen synchronisiert werden.

Nur wenn das obere Cam keine feste Verbindung mit einem anderen Teil des Bogens hat – sich also frei drehen kann – ist synchronisieren nicht erforderlich.

AtA und Standhöhe checken!

Bevor es aber mit der eigentlichen Arbeit losgeht, müssen wir die Achslänge, und die Standhöhe überprüfen. Beide sind Maße, die der Konstrukteur für die optimale Performance des Bogenmodells ausersehen hat.

Das eigentliche synchronisieren und timen verursacht in der Regel nur wenige Änderungen dieser Maße, weshalb diese zunächst stimmen sollten.

Du findest die Maße in Deinem Handbuch, auf der Website des Herstellers oder auf Deinen Wurfarmen. Wenn Du den Bogen schon länger hast, findest Du die Daten natürlich in Deinem Bogenpass.

Leider ist es so, dass jede gemachte Änderung immer Auswirkungen auf andere Bereiche hat. Bis das alles ein stimmiges Gesamtkonzept ergibt, dauert es manchmal etwas. Aber erstens ist das so beim Tuning und zweitens lohnt es sich ja auch.

Cams synchronisieren und timen

So, und wie machen wir das nun, womit fangen wir an? Erster Schritt:

Gibt es Timing Marks?

Das Bild zeigt eine Timing Markierung an einem CamDas ist das erste, was wir überprüfen müssen. Manche Cams haben sogenannte Timing Marks aufgedruckt oder eingestanzt, die Dir genau anzeigen, an welcher Position sich die Kabel befinden müssen.

Diese sind entweder für die Ruhestellung oder den Vollauszug markiert. Meist aber für den nicht ausgezogenen Zustand. Jetzt siehst Du zum Beispiel, dass ein Kabel außerhalb der Markierung verläuft.

Wenn Du schon öfter an Sehne und Kabel gearbeitet hast, weißt Du aus der Erfahrung heraus sofort, welches Kabel in welche Richtig gedreht werden muss.

Fängst Du gerade erst mit dem Tuning an, musst Du Dir überlegen, welche Aktion die logische wäre. Stell Dir einfach vor, was passieren würde, wenn dieses Kabel nun länger oder kürzer wäre.

Falls sich das Kabel an die Markierung annähern würde, wenn es länger wäre, musst Du es ausdrehen. Im umgekehrten Fall natürlich eindrehen.

Aber Achtung! Wie schon gesagt, hat das ein/ausdrehen an Sehne und Kabeln Auswirkungen auf die Auszugslänge, Standhöhe, AtA und Zuggewicht. Dieses Gleichgewicht solltest Du möglichst nicht stören.

Ein Beispiel

Solltest Du ein Kabel eindrehen müssen, um auf die Markierung zu kommen, erhöhst Du damit bei manchen Camsystemen automatisch auch das Zuggewicht und verlängerst die Auszugslänge.

Deshalb kann es je nach Cam System sinnvoll sein, wechselseitig zu arbeiten. Also beispielsweise anstatt das zu kürzende Kabel um eine volle Umdrehung einzudrehen, könntest Du nur eine halbe Umdrehung vornehmen und zum Ausgleich das andere Kabel um eine halbe Umdrehung ausdrehen.

Das funktioniert bei Binary- und Dualcams sehr gut. Bei Hybriden wie zum Beispiel den Hoyt Cam 0.5 sieht es etwas anders aus.

Dort gibt es ein Kontrollkabel, welches von Cam zu Cam läuft. Dieses ist für das synchronisieren verantwortlich. Mit dem Splitkabel wird hingegen das Zuggewicht, die Achslänge, sowie das Camlean eingestellt.

Leider ist es unmöglich, in allen Einzelheiten auf jedes nur erdenkliche System einzugehen, weshalb hier nur das Prinzip beschrieben werden kann. Hat man das aber einmal verstanden, kann man es problemlos auf jedes Camsystem übertragen.

Wenn die Kabel mit der Markierung übereinstimmen, sind die Cams synchronisiert. Jetzt geht es ans Timing.

Hier unterscheidet man zwischen zwei Varianten. Einmal, wenn aktive Drawstopps vorhanden sind und – im anderen Fall – wenn keine da sind.

Beide Versionen werden am Ende beschrieben.

Meine Cams haben keine Timing Marks

Das Bild zeigt eine Cam, auf der mit Edding eine eigene Timing Markierung angebracht istWenn bei Deinem Bogen die Cams keine Timing Marks haben, musst Du dir einen eigenen Referenzpunkt suchen / bestimmen. Wenn der gefunden ist, markierst Du ihn Dir dann am besten selbst auf den Cams.

Wie schon bei den wichtigsten Werkzeugen gesagt, brauchen wir nun ein Draw Board. Darin ziehen wir den Bogen aus bis zum Vollauszug.

Um jetzt einen Referenzpunkt zu finden, schaust Du Dir Deine Kabel im Vollauszug an.

Wichtig: Die Drawstopps (sofern vorhanden) vorher lösen, so dass sie den Auszug nicht mehr stoppen.

Du wirst feststellen, dass die Kabel auch ohne Drawstopp irgendwann an irgendeiner Stelle des Cams anschlagen. Das wird bei Cams mit Modulen ein Punkt oder eine Fläche am Modul sein und bei Cams mit einer festen Auszugslänge eine definierte Stelle am Cam.

Anmerkung: Falls es sich um Binary Cams handelt, musst Du ein wenig aufpassen. Die kann man nämlich überziehen und dann rollen die Cams die Sehne nicht mehr von alleine auf, sondern müssen manuell angeschoben werden müssen, bis sie diesen Punkt überschritten haben. Im Draw Board ist das aber nicht schlimm.

 

Referenzpunkt bestimmen

Nun bestimmst Du Deinen Referenzpunkt. Hier gibt es keine feste Regel und es ist unmöglich, eine Auflistung für alle Bögen und Camsysteme aufzulisten.

Das Bild zeigt ein Cam ohne Timing MarkEin guter Ausgangspunkt ist es, wenn Du den Bogen so weit ausziehst, dass sich das obere Cam ca. 1mm vor dem Anschlag befindet.

Insbesondere, wenn Dein Bogen über aktive (also frei verstellbare) Drawstopps verfügt, die gegen den Wurfarm laufen, machst Du mit dieser Einstellung nichts falsch.

Wenn das obere Cam richtig positioniert ist, richtest Du jetzt das untere Cam durch ein/ausdrehen des Kabels synchron zum oberen aus. Jetzt nur noch timen und schon ist es geschafft.

Timing ohne aktive Drawstopps

Die Stopps am Markt sind vielfältig. Und so lässt sich leider keine allgemeingültige Aussage treffen, welche Position nun die richtige ist.

Generell kann man sich aber folgende Richtlinie merken:

Der korrekte Auszugsstopp ist in der Regel so konstruiert, dass sich eine möglichst harte Wand im Vollauszug ergibt.

Deshalb ist der Stopp oft kein runder Punkt, sondern eine Fläche, damit möglichst viel Kabel auf einmal anliegt. Achte also darauf, dass das Kabel im Vollauszug plan auf dieser Fläche aufliegt.

Dazu werden jetzt die Kabel entweder um den gleichen Weg in die logische Richtung eingedreht oder ausgedreht.

Zu beachten ist hier nur, dass nun Längenveränderungen gleichmäßig vorgenommen werden müssen, da sich ansonsten die Synchronisation verstellt. Hier geht es nicht mehr darum, das Verhältnis der Cams zueinander zu beeinflussen, sondern den Weg, den sie beim rotieren zurücklegen, einzustellen.

Je näher Du diesem Punkt übrigens beim synchronisieren kommst, desto einfacher hast Du es hinterher beim Timing selbst.

Wie man das Timing mit aktiven Drawstopps einstellt, findest Du im nächsten Abschnitt.

Timing mit aktiven Drawstopps

Einfacher als in diesem Fall kann Timing gar nicht sein. Denn wenn die Cams in der oben beschriebenen Stellung synchron laufen, musst Du lediglich den Bogen im Draw Board bis zu Deinem Referenzpunkt ausziehen, die Drawstopps an die Wurfarme schieben und festschrauben. Das wars dann schon.

Maße notieren

Ein letzter Schritt. Nachdem wir jetzt gesehen haben, dass timen und synchronisieren jede Menge Arbeit machen, die man sich gern erspart, kommt es auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht an.

Diese nutzen wir am besten, indem wir unseren Bogen vermessen und die Maße im Bogenpass vermerken. Dann geht es beim nächsten Mal wesentlich schneller.

 

6.685 Leser, 8 Leser heute
es darf gerne geteilt werden...Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter