Sehne und Kabel am Compound wechseln

So klappt der Wechsel von Sehne und Kabel immer

Das Bild zeigt leicht beschädigte Sehne und KabelEin gut getunter Compound ist Gold wert – im wahrsten Sinne des Wortes. Hat man einmal die perfekte Einstellung gefunden, lässt man ihn am besten in Ruhe.

Und doch wird es von Zeit zu Zeit nötig, dem Compound eine neue Sehne und neue Kabel zu spendieren. Das ist bei den meisten Schützen immer dann der Fall, wenn die Takelage beschädigt ist, mehr als 15.000 Schüsse hat oder älter als zwei Jahre ist.

Selbst wechseln oder wechseln lassen?

Viele geben ihren Compound dazu ihrem Händler oder einem Vereinskameraden und lassen die Strippen wechseln. Das kann man so machen, muss sich gleichzeitig jedoch im Klaren darüber sein, dass man damit auch die Kontrolle über den Bogen abgibt.

Klar, wer noch ganz am Anfang seiner Compoundkarriere steht, vergibt sich nichts, wenn er den Strippenwechsel machen lässt. Zu Beginn geht sollte es schließlich erst einmal darum gehen, sich einen technisch sauberen Schießstil anzueignen.

Wer aber schon fortgeschritten ist, seinen persönlichen Bogenpass erstellt hat und nach langem testen und noch längerem tunen endlich „seine“ perfekte Einstellung gefunden hat, sollte sich grundsätzlich selbst darum kümmern. Sonst kann es nämlich passieren, dass die ganze Arbeit umsonst war.

Nichts passt mehr

Wenn Du Dich schon näher mit dem Tuning eines Compoundbogens befasst hast, weißt Du, wie wichtig zum Beispiel das synchronisieren und timen der Cams für einen Compoundbogen sind.

Nun, das alles verändert sich, wenn man eine neue Takelage aufbringt, die nicht exakt(!) dieselben Maße aufweist, wie das bestehende System. Wir erinnern uns: schon eine halbe Umdrehung an einem Kabel beeinflusst die Synchronisation.

Da es unwahrscheinlich ist, dass die neue Sehne exakt dieselbe Länge hat wie die alte, sind die Probleme also vorprogrammiert. Gleiches gilt auch für die Kabel.

Wie man es nicht machen sollte

Wie werden Sehne und Kabel aber im Normalfall gewechselt? Richtig, der Bogen kommt in die Presse, die alten Strippen runter und die neuen drauf. Bogen aus der Presse und ab auf den Platz zum Schießen.

Das kann nicht funktionieren!

Zugegeben, diese Methode geht schnell, wohingegen der richtige Wechsel eine Menge Arbeit macht. Diese lohnt sich aber, weil wir dann einen Bogen bekommen, der genau gleich schießt wie vorher.

Der richtige Wechsel von Sehne und Kabel

Also frisch ans Werk. Zuerst kommt der Bogen in die Presse und die Sehne wird gewechselt. Und zwar nur die Sehne! Die Kabel bleiben zunächst noch wo sie sind. Dann bauen wir das Peep ein und bringen den Nockpunkt und das D-Loop an. Wo das alles hinkommt wissen wir aus unserem persönlichen Bogenpass. Wer immer noch keinen hat – jetzt ist die letzte Chance, einen zu erstellen.

Das einzige, was verändert werden kann, ist die Länge der Sehne. Deshalb nimmt man beide Sehnen – die neue und die alte – und bringt die neue so gut es eben geht auf das Maß der alten Sehne.

Dazu hängt man beide zum Beispiel in einen Haken, bringt händisch ordentlich Zug drauf und dreht die neue Sehne so lange ein oder aus, bis sie nahezu die gleiche Länge wie die alte hat. Dann erst kommt sie auf den Bogen.

Wenn die Sehne gewechselt ist, nehmen wir den Bogen aus der Presse und schießen zwei bis zwei Pfeile damit. So geben wir der Sehne die Möglichkeit, sich zu setzen. Das wird oft nicht gemacht mit dem Argument, dass modernes Sehnengarn sich nicht mehr oder nur vernachlässigbar längt und somit auch nicht eingeschossen werden muss.

Das stimmt zwar, hat aber mit dem hier gemeinten „setzen“ der Sehne nichts zu tun. Wenn man eine neue Sehne zur Hand nimmt, ist sie sehr steif – insbesondere die Öhrchen – und was unter den Wicklungen passiert, kann auch niemand mit Sicherheit sagen, egal wie gut die Sehne gefertigt wurde.

Nach ein paar Schuss hat sich die Sehne jedoch an das Cam angepasst und sitzt satt in den Rillen.

Überprüfen und korrigeren

Nun überprüfen wir die Standhöhe und die AtA. Wenn diese auch nur um einen halben Millimeter nicht stimmen, ab in die Presse mit dem Bogen und entsprechende Umdrehungen zugeben oder ausdrehen.

Ganz wichtig: wenn etwas nicht stimmt, nur an der Sehne drehen. Die Kabel sind ja noch unverändert. An denen kann nichts verkehrt sein. Deshalb dienen sie als Referenz.

Die Sehne ist das einzige Teil, was verändert wurde. Somit kann auch nur sie für nicht passende Maße verantwortlich sein. Deshalb wirklich nur an der Sehne drehen.

Dabei achtet man auch gleich auf den Sitz des Peeps. Sollte dieses noch nicht richtig stehen und nicht viele Umdrehungen nötig sein, kann man den Sitz des Peeps gleich mit beeinflussen, indem man Stränge umlegt (bitte nur im gepressten Zustand) und/oder am oberen oder unteren Ende die Sehne ein oder ausdreht.

Was das bewirkt und wie es richtig geht, wird hier in der Compoundwerkstatt im Kapitel Peep einbauen noch beschrieben.

Wenn Standhöhe und AtA stimmen, werden wieder zwei bis drei Schuss gemacht und die Maße erneut überprüft. Sollten sie nicht stimmen, wieder ab in die Presse und das Ganze von vorn. So lange, bis Standhöhe und AtA exakt mit den Werten aus dem Bogenpass übereinstimmen.

Mit den Kabeln genauso verfahren

Ist dies erreicht, kommen die Kabel dran. So wie beim Sehnenwechsel die alten, gut eingeschossenen Kabel der Referenzpunkt für die Sehne waren, ist diese nun Referenzpunkt für die Kabel.

Das Prozedere ist dabei dasselbe. Bogen in die Presse, neues Kabel drauf und zwei bis drei Pfeile schießen. Dann Maße überprüfen und solange einstellen, bis wieder die exakten Maße des Bogens erreicht sind. Dabei je nach Camtyp auch gleich auf Camlean achten.

Eigentlich unnötig zu erwähnen aber auch hier gilt: wieder nur ein Kabel wechseln. Dann messen und einstellen bis alles passt und dann erst das zweite Kabel tauschen.

Werden Sehne und Kabel auf diese Weise gewechselt, kann man sicher sein, dass der Bogen genauso schießt wie vor dem Wechsel.

Was tun, wenn ein Defekt während eines Turniers auftritt?

Das Bild zeigt ein angerissenes Kabel welches man dringend wechseln sollteEs kann immer mal passieren, dass während des Trainings ein Strang an Kabel und/oder Sehne reißt. Im Training ist das nicht schlimm. Da hört man einfach auf. Aber was, wenn das während eines Turniers passiert?

Wenn es nur ein Strang an der Sehne ist, könnte man schnell eine Wicklung anbringen und das Turnier zu Ende schießen. Da die Sehne nicht so stark belastet ist wie die Kabel, nimmt mancher Schütze das mögliche Risiko in Kauf.

Ein ungutes Gefühl wird aber wahrscheinlich immer bleiben, so dass ein Wechsel die bessere – und sicherere – Alternative wäre.

Wenn allerdings ein Kabel betroffen ist, gibt es nichts zu diskutieren. Das sollte auf jeden Fall gewechselt werden.

Die (teure) Lösung: ein Ersatzsystem

Das wäre der Idealfall, wenn zum Beispiel während eines Turniers ein Defekt an einem Kabel oder der Sehne auftritt. Ein zweites, bereits eingeschossenes Sehne/Kabel-Set in Reserve zu halten ist da sehr komfortabel.

Das Bild zeigt zwei Kabel Öhrchen, die mit einer Büroklammer gegen Verdrehen gesichert sindWichtig ist nur, dass die Sehne und Kabel so verwahrt werden, dass sie sich nicht ein- oder ausdrehen können. Am besten mit den jeweiligen Öhrchen in eine Büroklammer einhängen und diese dann so verbiegen, dass die Strippen nicht rausrutschen können.

Nachteil an dieser Lösung sind natürlich die Kosten. Ein kompletter Satz Sehne und Kabel kostet rund 80,- bis 150,- Euro. Das ist als reine Reserve schon recht happig. Wen das aber nicht stört, fährt mit dem Ersatzsystem am besten.

Die (günstige) Lösung

Die alten Kabel und Sehne vom letzten Wechsel aufbewahren und für solche Notfälle mitführen. Das geht natürlich nur, wenn die noch schießbar sind. Aber wenn, dann hat man eine preiswerte Möglichkeit gefunden, um bis zum richtigen Wechsel über ein Turnier zu kommen.

Zusammenfassung

Hier noch einmal in einer kurzen Übersicht die wichtigsten Schritte zum Wechsel

  1. Bogen in die Presse
  2. alte Sehne abnehmen
  3. die neue Sehne so gut es geht, händisch auf Länge der alten bringen
  4. Neue Sehne aufziehen
  5. zwei bis drei Schüsse machen
  6. Maße kontrollieren (AtA und Standhöhe)
  7. gegebenfalls Länge der Sehne durch ein/ausdrehen korrigieren
  8. weitere zwei bis drei Schüsse abgeben
  9. Maße erneut kontrollieren
  10. Vorgang so lange wiederholen, bis die Maße stimmen

Dasselbe entsprechend mit den Kabeln machen und voilâ: der Bogen schießt sich nach dem Wechsel exakt gleich wie vorher.

Und nun wünsche ich viel Erfolg beim nächsten Wechsel der Takelage .

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