Griff und Release Hand

Nach dem Stand kommen Griff und Release Hand

Auflage der Hand im Griff eines CompoundbogensNachdem wir den richtigen Stand eingenommen haben, geht es nun an den Griff und die Release Hand. Während es beim Stand keine Alternative zur anatomisch korrekten Position gibt, ist die Griffhaltung und die Releasehand bei vielen Schützen von individuellen Vorlieben geprägt. Hier gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein richtig oder falsch – beides muss einfach nur reproduzierbar sein und zum jeweiligen Schützen passen.

Der Griff

Im Volksmund heißt es „wie man sich bettet, so liegt man“. Dasselbe gilt in abgewandelter Form auch für den Griff. Wie man den Bogen greift, so schießt man. Ist der Griff konstant, steht der Bogen im Vollauszug sofort gerade und muss nicht mehr korrigiert werden (sofern der Seitenstabi richtig eingestellt ist).

Zudem stimmt auch das Visierbild immer mit dem Weg des Pfeils auf der Auflage überein. Und damit verliert der berüchtigte Tourque (seitliches Verdrehen des Bogens) seinen Schrecken, weil Tourque an und für sich nichts schlimmes ist – solange er immer gleich stark auftritt. Zusammen genommen sorgt das für gleichmäßige Ergebnisse auf der Scheibe und spart darüber hinaus im Vollauszug wertvolle Zeit, die man besser für`s Zielen und Lösen aufwendet, anstatt jedes mal den Bogen neu ausrichten zu müssen.

Ein wechselhafter Griff hingegen beschert uns all das, was wir nicht wollen. Der Bogen steht im Vollauszug jedes Mal anders. Das Visierbild und der Weg des Pfeils über die Auflage variieren und das Lösen wird ungleichmäßig. Zwar sind das jeweils nur minimale Veränderungen, sie wirken sich jedoch spürbar aus.

Um das zu vermeiden ist es wichtig, dass die Hand immer auf demselben Punkt des Griffes platziert wird. Diesen Punkt kann man sich mehr oder weniger selbst aussuchen, solange er sich nur innerhalb bestimnmter Grenzen befindet.

Bild zeigt die Auflagefläche der Hand im Compoundgriff

Never cross the lifeline – Niemals die Lebenslinie überschreiten

Wenn es beim Griff eine Regel gibt, deren Beachtung sich lohnt, dann diese. Die Auflage des Griffes sollte sich immer zwischen der Lebenslinie und dem Daumen – also irgendwo auf dem Daumenballen befinden.

Die Grundidee dahinter ist das Bestreben, in der Muskulatur so wenig unnötige Anspannung wie möglich zu erzeugen. Hier ist speziell die Unterarmmuskulatur gemeint, welche für das Verdrehen des Handgelenks verantwortlich ist.

Wenn man sich entspannt hinstellt und die Arme locker zur Seite herabhängen lässt, ist die Unterarmmuskulatur entspannt und das Handgelenk befindet sich bei den meisten Menschen automatisch nahe einem 45° Winkel.

Dieser verändert sich auch nicht, wenn man den Arm nach vorne anhebt. Durch diese Stellung des Handgelenks eliminiert man jegliche Anspannung in der Unterarmmuskulatur so gut es eben möglich ist.

Daraus ergibt sich automatisch eine Position der Hand, welche einen Winkel um die 45° bildet. Wer schon mal die Empfehlung bekommen hat, dass der Griff so aussehen sollte, hat nun die Begründung dafür. Es geht lediglich darum, die Unterarmmuskulatur so entspannt wie möglich zu halten. Und so entsand auch die Regel „never cross the lifeline“,  denn je steiler der Winkel der Hand wird, desto näher würde sich der Griff an der Lebenslinie befinden und damit Spannung im Unterarm aufgebaut werden müssen.

Hoher, tiefer oder mittlerer Griff (high Wrist, low Wrist oder medium Wrist)

Ein Beispiel für einen mit Sugru modifizierten Compound GriffDamit drückt man aus, wie stark das Handgelenk abgeknickt oder gestreckt wird.

Auch hier gibt es nicht die eine Wahrheit. Jede Position hat ihre Vor- und Nachteile. Ein hoher Griff bringt den geringstmöglichen Kontakt zum Griff mit sich, was den Tourque verringert. Das erkauft man sich jedoch mit starker Spannung in Unterarm und Handgelenk.

Ein tiefer Griff sorgt dafür, dass der Bogen gefühlt satt in der Hand liegt, bringt aber ein stark abgeknicktes Handgelenk und Anfälligkeit für Torque mit sich.

Die am häufigsten verwendete Methode ist daher der mittlere Griff. Nicht ganz so anfällig für Torque und trotzdem eine angenehme Auflage der Hand auf dem Griff. Oft noch durch Modifikationen mit Sugru* angepasst, wie im nebenstehenden Bild oder nachfolgenden Video zu sehen ist.

 

Release Hand

Der Griff ist das eine. Die andere Hand will aber auch beschäftigt werden. Deshalb befassen wir uns nun mit der Release Hand. Damit ist nichts anderes gemeint als die Art und Weise, wie man das Release greift.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Trigger Release oder eine Kipp Release handelt. Das Prinzip bleibt stets gleich.

Wenn möglich, sollte die Releasehand von Beginn des Auszugs bis zum Ende des Schusses gestreckt sein. Das Lösen wird dadurch wesentlich konstanter und einfacher. Warum das so ist, wird später im Artikel über das Lösen erklärt.

Und es soll an dieser Stelle auch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Griffarten für das Release gibt, die alle funktionieren. Manche Schützen ballen die Hand regelrecht zur Faust und fahren damit ebenfalls sehr gut. Die hier vorgestellte Methode ist also keineswegs die „beste“. Sie ist lediglich anatomisch am einfachsten umzusetzen.

Bild zeigt den Griff in das Release einmal mit gestreckter Hand und einmal mit abgewinkeltem Handrücken

Wahrscheinlich wird das zu Beginn jedoch nicht funktionieren. Insbesondere dann, wenn bei einem Kipprelease noch ein wenig das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fehlt. Denn mit einer gestreckten Releasehand ist es nahezu unmöglich, den Sicherungshebel des Releases mit dem Daumen zu erreichen. Das schafft anfangs Verunsicherung, die man automatisch damit ausgleicht, dass man das Release vermeintlich „fester“ greift, um nur ja nicht versehentlich zu lösen.

In Wirklichkeit greift man das Relase aber gar nicht fester, sondern verschiebt nur den Angriffspunkt im Fingergelenk. Anstatt dass das Release zwischen den beiden vorderen Fingergliedern des Zeigefingers liegt, wird es stattdessen direkt im zweiten Gelenk platziert. Das schafft tatsächlich Sicherheit, wird aber mit abgewinkelten Fingern und damit starker Spannung im Handrücken bezahlt, die wiederum eine mögliche Fehlerquelle mehr bedeutet.

Auch bei der Release Hand gilt wie beim Griff: jede unnötige Spannung in der Muskulatur ist zu vermeiden. Denn jede Form von Spannung erfordert auch eine aktive Kontrolle darüber. Und wenn etwas kontrolliert werden soll, muss zwangsläufig irgendwann während des Schussablaufs auch die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden.

Je Größer die Anzahl der Aufgaben, die man während des Schussablaufs „abarbeiten“ muss, desto weiter entfernt man sich von dem, was eigentlich gewünscht ist: den kompletten Schussablauf so weit wie möglich dem Unterbewusstsein zu überlassen.

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