Visiereinstellung am Compound

Die Einstellung der drei Achsen an einem Compound Visier

Das Bild zeigt ein Compoundvsier, auf dem die drei Achsen eingezeichnet sindWie funktioniert das mit den drei Achsen am Compound Visier eigentlich? Dies ist die meistgestellte Frage, wenn es um die Einstellung oder Ausrichtung des Visiers geht.

Am Compoundvisier gibt es drei Achsen, die einzustellen sind, wenn man sicher sein möchte, dass die tatsächliche Neigung des Bogens auch mit der Anzeige der Wasserwaage übereinstimmt – und zwar in jeder Position.

Das ist insbesondere dann wichtig, wenn man sich abseits des WA Platzes bewegt. Solange man nur auf ebenem Gelände schießt, spielen nur die beiden ersten Achsen eine Rolle. Sobald es jedoch an Bergauf- und Bergabschüsse geht, wird das Einstellen der dritten Achse unabdingbar.

Wie das geht, schauen wir uns nun in fünf mehr oder weniger einfachen Schritten an. Denn ganz genau genommen sind es zwar drei Achsen, jedoch fünf Schritte, die wir für die Einstellung gehen müssen. Die ersten vier sind relativ schnell und einfach auszuführen. Der fünfte und letzte ist der schwierigste. Aber dazu gleich mehr.

Die erste Achse am Visier einstellen

Mit der ersten Achse ist nichts anderes als die lotrechte Ausrichtung des Visierschlittens in Bezug auf den Bogen gemeint. Der erste Schritt sieht daher wie folgt aus.

Das Bild zeigt ein Leveling Tool, welches an einer Compoundsehne befestigt ist, um diesen lotrecht auszurichten.Zunächst muss sichergestellt sein, dass der Bogen absolut gerade steht. Und hier wird es ohne einen Bogenhalter etwas knifflig.

Wer keine Bow Vise zur Hand hat, muss sich behelfen, indem er den Bogen ganz normal in den Bogenständer stellt und ihn dann durch Unterlegen des Monostabis ins Lot bringt.

Zur Ausrichtung verwendet man entweder diverse Leveling Tools oder eine handelsübliche Wasserwaage, die man beispielsweise an die Sehne oder den Bogen hält.

Steht der Bogen gerade, überprüfen wir im zweiten Schritt mit unserer Wasserwaage den Visierschlitten, ob dieser lotrecht zum Bogen selbst montiert ist. Ist dies nicht Fall (was sehr wahrscheinlich ist), lösen wir die Befestigungsschrauben vom Visierschlitten und bringen ihn in die richtige Position.

Diesen Vorgang müssen wir unter Umständen mehrmals wiederholen, da das Verstellen etwas verzwickt sein kann. Sehr oft passiert es zum Beispiel, dass beim festdrehen der Schrauben auch die Position des Schlittens wieder verändert wird. Aber egal, da müssen wir nun durch, bis der Schlitten absolut senkrecht (zum Bogen) steht.

Das Bild zeigt eine am Visierschlitten befestigte WasserwaageAm besten führen wir diesen Schritt ohne Scope aus. Erstens haben wir so bei manchen Visieren mehr Platz um unsere Wasserwaage zu befestigen und zweitens hilft uns die Wasserwaage am Scope hier (noch) nicht weiter. Denn die zeigt immer nur die Neigung zur relativen Position des Scopes an, jedoch nicht die Senkrechte für alle Positionen des Scopes am Visierschlitten.

Als Beispiel nehmen wir die hier im Bild dargestellte Schräge des Visierschlittens. Während der Bogen selbst absolut lotrecht steht, kippt der dargestellte Visierschlitten im Bild von rechts unten nach links oben. Das heißt, dass das Scope im oberen Bereich weiter links positioniert wäre als im unteren Bereich des Visierschlittens.

Beim Wechsel von 30m zu 70m kann so eine Verlagerung durchaus 1 mm betragen, was – je nach Visier – einer seitlichen Verstellung des Scopes um 10 Klicks entspricht. Also recht ordentlich und definitiv auf der Scheibe sichtbar.

Deshalb ist es wichtig, den Visierschlitten lotrecht zum Bogen zu montieren. Ist dies der Fall, haben wir Schritt 1 und 2 geschafft und die erste Achse ist eingestellt. Nun folgt Schritt 3:

Die zweite Achse am Visier einstellen

Das Bild zeigt ein Scope mit WasserwaageErst jetzt montieren wir wieder unser Scope und schauen auf dessen Wasserwaage. Im Idealfall zeigt diese dieselbe Position an wie unsere Wasserwaage, die wir zur Ausrichtung des Bogens verwendet haben. Meist wird das jedoch nicht der Fall sein.

Zur Ausrichtung des Scopes lösen wir die dazu vorgesehenen Schrauben und verstellen das Scope so lange in der Höhe, bis die Wasserwaage dasselbe Ergebnis anzeigt wie die am Visierschlitten, sowie die am Bogen selbst.

Es bedarf womöglich wieder mehrerer Versuche, bis die Einstellung stimmt, da sich auch hier beim festziehen der Schrauben die Ausrichtung gerne mal verstellt.

Stimmt die Wasserwaage am Scope mit der am Visierschlitten und Bogen überein, ist Schritt drei geschafft und es folgt Schritt vier:

Die dritte Achse am Visier einstellen

Bei der Betrachtung des Bogens von hinten in Schussrichtung ging es bislang immer nur um eine vertikale Neigung von links nach rechts und umgekehrt. Bei der dritten Achse kommt zum ersten Mal eine waagerechte Achse ins Spiel. Und zwar der Winkel des Scopes zur Visierlinie des Bogens.

Das mag sich jetzt ein wenig kompliziert anhören aber hat man diesen Punkt erst einmal verinnerlicht, ist das Einstellen der dritten Achse kein Problem mehr.

Weil aber so viele Schützen Schwierigkeiten mit der Vorstellung haben, zeigen die nächsten Bilder ein vereinfachtes Modell. Dazu dient die silberne Box. Sie soll den Bogen in Schussrichtung darstellen. Die darauf befindliche Wasserwaage stellt das Scope dar.

Das Bild zeigt eine Box auf der eine Wasserwaage positioniert ist

Nun neigen wir die Box nach hinten. Genau das machen wir auch mit dem Bogen bei einem Bergabschuss. Wir sehen, dass sich die Anzeige der Wasserwaage nicht verändert. Das tut sie deshalb nicht, weil die Wasserwaage parallel zur Kante der Box positioniert ist.

Bild zeigt eine Wasserwaage auf einer Box, welche nach vorne geneigt ist, um einen Bergabschuss zu simulieren

Nun drehen wir die Wasserwaage (das Scope) einfach mal ein Stück zur Seite. Und siehe da, die Blase der Wasserwaage zeigt ein deutlich anderes Ergebnis, obwohl die Bedingungen absolut gleich geblieben sind.

Bild zeigt eine nach vorne geneigte Box, auf der eine Wasserwage liegt, die leicht verdreht ist

Und genau das passiert auch bei Bergab- oder Bergaufschüssen mit der Wasserwaage im Scope. Obwohl der Bogen kerzengerade steht, zeigt die Wasserwaage eine Neigung an.

Deshalb muss das Scope im rechten Winkel zum Visierausleger positioniert werden. Das ist dann die dritte Achse. Ist diese eingestellt, triffst Du mit dem Bogen in allen Lebenslagen und aus allen möglichen Positionen genau ins Ziel.

Oder warte mal… Da war doch noch was. Ach ja genau; das da:

Der fünfte und letzte Schritt ist das ausschießen.

Es wäre ja auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Aber die Sache hat einen Haken. Die dritte Achse lässt sich nämlich leider nicht einstellen. Du musst sie ausschießen.

Denn tatsächlich ist der Winkel von Scope zu Visierausleger bei jedem Schützen etwas anders. Die Hauptursache dafür ist der individuelle Griff des Schützen. Je nachdem wie ein Schütze den Bogen greift, verursacht das den berühmten Torque – das Verdrehen des Bogens. Und dieses Verdrehen verändert den Winkel von Scope zu Visierausleger genau wie bei der leicht verdrehten Wasserwaage auf dem vorherigen Bild. Also was tun?

Um die dritte Achse auszuschießen, kann man tatsächlich schießen oder den Schuss simulieren. Schießen ist genauer, simulieren geht schneller. Beides hat jedoch seine Daseinsberechtigung und deshalb schauen wir uns auch beide Methoden an.

Die dritte Achse ausschießen

Wenn unsere Pfeile auf der Ebene mittig liegen, heißt das noch lange nicht, dass sie das auch bei Bergab- oder Bergaufschüssen tun, wie wir gesehen haben.

Um das zu überprüfen, schießen wir also zum Beispiel bergab. Manche Vereine bieten nicht die Möglichkeit dazu, weswegen man am besten in einen Feld- oder 3D Parcours geht. Wer einen gesicherten Garten hat, könnte aber auch beispielsweise vom Balkon aus nach unten schießen. Stillgelegte Steinbrüche oder Krater im Wald sind auch immer dankbare Locations.

Aber Achtung! Du haftest für alles, was Du mit Pfeil und Bogen anrichtest! Sollte das Gelände also eine mögliche Gefährdung für andere nicht zu 100% ausschließen, Finger weg!

Ist ein geeignetes Gelände gefunden, schießen wir also bergab und schauen uns die Trefferlage der Pfeile an.

Das Bild zeigt ein Visier, auf dem die möglichen Richtungen zur Einstellung der 3. Achse eingezeichnet sind.Liegen die Pfeile bei Bergabschüssen rechts, musst Du das Scope ein wenig näher zu Dir hin positionieren. Liegen die Bergabschüsse links, muss das Scope etwas weiter von Dir weg.

Stell Dir anstatt des Scopes einfach eine Tür vor, die Du entweder zu Dir hin ziehst oder von Dir wegdrückst. Liegen die Pfeile bergab rechts, ziehst Du die Tür zu Dir hin. Liegen sie links, öffnest Du die Tür ein wenig, indem Du sie von Dir wegdrückst.

Bei Bergaufschüssen gilt ergänzend natürlich dasselbe Prinzip. Liegen die Pfeile bergab rechts, werden sie bergauf in aller Regel links liegen und umgekehrt. Liegen die Pfeile bei Bergaufschüssen links, machst Du dasselbe wie bei Bergabschüssen rechts: du ziehst die Tür (das Scope) zu Dir hin.

Das machst Du so lange, bis die Pfeile sowohl auf der Ebene, als auch bei Bergauf- und Bergabschüssen mittig liegen. Ist das erreicht, ist die Einstellung der drei Achsen am Compound erledigt.

Den Schuss simulieren

Wer gerade keine Möglichkeit hat, tatsächlich zu schießen, kann als erste Annäherung auch den Schuss simulieren. Das macht zum Beispiel immer dann Sinn, wenn man abends am Compound arbeitet und nicht mal eben raus kann zum schießen.

Die Simulation funktioniert wie folgt. Man sucht sich ein Ziel am Boden in vielleicht zwei oder drei Meter Entfernung und geht in den Vollauszug. Ich denke, über die Gefahren eines Trockenschusses für den Bogen muss ich hier nichts schreiben.

Am besten verwendet man dazu ein sogenanntes no fire Release, welches im Idealfall auch noch gegen das mögliche Reißen des Loopknotens abgesichert ist. Auf keinen Fall einen Pfeil auflegen es sei denn, man verfügt über eine Zielwand. Warum das wichtig ist, hat folgenden Grund.

Wir wollen ein am Boden liegendes Ziel anvisieren. Damit wir aber die dritte Achse überprüfen können, starten wir in einer aufrechten Position. Wir gehen also in den Vollauszug und ankern so, als wollten wir auf der Ebene schießen.

Dann beugen wir die Hüfte und visieren das am Boden befindliche Ziel an. Genau so wie wir es auch bei einem echten Bergabschuss machen würden. Dabei beobachten wir die Wasserwaage im Scope.

Bleibt sie während der Beugung mittig stehen, ist das Scope korrekt ausgerichtet. Wandert sie jedoch zur Seite, müssen wir das Scope in die logische Richtung korrigieren.

Zeigt die Blase beim simulierten Bergabschuss zum Beispiel nach rechts, ziehen wir die Tür etwas zu (das Scope also hin zu uns). Zeigt sie nach links, drücken wir die Tür auf (bewegen das Scope also ein wenig weg von uns).

Natürlich ist Ausschießen exakter aber auch mit dieser Methode erreicht man sehr gute Ergebnisse und sie geht schnell und unkompliziert. Es ist ur wichtig, darauf zu achten, dass man bei der Beugung nicht den Bogen verdreht. Es darf sich also lediglich die Hüfte bewegen. Alles andere (und insbesondere die Bogenhand) bleibt absolut unbeweglich.

So, und nun ist die Einstellung der drei Achsen am Compoundvisier endgültig abgeschlossen und die Trefferlage der Pfeile ist tatsächlich aus jeder Position heraus mittig.

Nichtsdestotrotz sollte auch diese Einstellungen von Zeit zu Zeit überprüft werden. Denn Schrauben am Visier können sich lockern oder der Griff des Schützen kann sich verändern.

Und nun wünsche ich wie immer viel Spaß beim einstellen.

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