Camlean

Was ist Camlean?

Camlean ist nichts anderes als die Neigung oder Schrägstellung der Cams zur Verlaufsrichtung der Sehne. Die Cams „lehnen“ sich quasi zur Seite (to lean = lehnen).

Wie kommt Camlean zustande?

Durch das zur seite ziehen der Kabel. Jedes Kabel verläuft – je nach Aufhängung – relativ mittig vom oberen Wurfarmende zum unteren. Dabei ist es egal, ob das Kabel am Wurfarm oder der Sehne befestigt ist.

Würde man nun einen Pfeil schießen, wären die Kabel natürlich im Weg. Deshalb ist am Riser ein sogenannter Kabelabweiser montiert. Auf diesem wiederum ist ein Gleiter montiert, durch den die Kabel gleiten. Bei manchen Bogenmodellen sind anstatt eines Kabelgleiters auch zwei Rollen verbaut.

Durch die Position des Kabelabweisers bestimmt man, wie weit sich die Kabel neben der Mitte befinden sollen. In der Regel schiebt man die Kabel gerade so weit außermittig, dass die Befiederung des Pfeils daran vorbei kommt, ohne anzuschlagen.

Ist Camlean schädlich für den Bogen?

Es kommt darauf an. Camlean selbst ist nicht schlimm. Klar, es belastet die Wurfarme, weil die dadurch verdreht werden. Auch die Achsen werden mehr strapaziert als wenn die Cams gerade stehen würden. Ein Compound ist allerdings so robust, dass er diese Belastung durchaus wegstecken kann.

Wahrscheinlich darf man aber davon ausgehen, dass Camlean den Verschleiß beschleuningt. Berücksichtigt man jedoch, dass ein Compound trotz Camlean Jahrzehnte hält, kann man diesen Aspekt wohl vernachlässigen.

Wie wirkt sich Camlean aus?

Kurz gesagt, Camlean kann bewirken, dass der Pfeil den Bogen nicht gerade verlässt. Das kommt aber auf die Ausprägung des Camleans an. Eine Schrägstellung alleine sorgt noch nicht für Probleme.

Wenn die Cams beispielsweise permanent und immer gleich schräg stehen würden, hätte Camlean keine Auswirkungen. Zum Problem wird es erst dann, wenn sich die Cam-Neigung während des Lösens verändert. Und das ist leider in den meisten Fällen so.

Was auch logisch ist. Durch den Zug an der Sehne werden ja lediglich die Cams rotiert. Dadurch werden die Kabel aufgerollt und biegen die Wurfarme. Somit ist mit zunehmendem Auszug immer mehr Last auf den Kabeln. Und wenn sich die Cams schon bei nicht ausgezogenem Bogen durch den seitlichen Zug auf die Kabel neigen, dann werden sie es umso mehr tun, je mehr Last auf den Kabeln ist.

Das heißt, dass die Neigung der Cams zunimmt, je weiter man den Bogen auszieht. Nach dem Lösen läuft das natürlich in umgekehrter Reihenfolge ab. Und genau das ist das Problem von Camlean. Es verursacht seitlichen Nocktravel.

Man muss sich einmal vorstellen, was beim Abschuss mit Sehne passiert, wenn sich die Neigung der Cams verändert. Zu Beginn steht die Sehne in direkter Linie hinter den Cams. Nun zieht man den Bogen aus und die Cams neigen sich immer mehr nach rechts – sagen wir beispielsweise um 3 mm.

Am Ende des Auszugs befindet sich sich Sehne also 3mm rechts von der Ideallinie. Beim Lösen bewegt sich die Sehne nun also diaginal von rechts hinten nach links vorne.

Der Pfeil aber wird in gerade Linie (Centershot) von der Pfeilauflage geführt. Er will den Bogen also gerade verlassen. Das führt unweigerlich dazu, dass der Pfeil seitlich nach links über das Auflageblech der Pfeilauflage geschoben wird, was man in manchen Highspeedaufnahmen sehr gut sehen kann.

 

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