Cam Systeme am Compoundbogen

Single Cam, Double oder Dual Cam, Hybrid Cam oder Binary Cam?

Das sind die verschiedenen Cam Systeme, die man am Markt so findet. Dazu kommt noch der individuelle Camtyp. Also soft, medium oder hard Cam.

Wofür soll man sich da entscheiden? Nun, das kommt auf die persönlichen Vorlieben, den eigenen Schießstil und auch ein wenig auf die Disziplin an.

Aber der Reihe nach. Schauen wir uns zunächst die unterschiedlichen Cam Systeme an und widmen uns danach den Camtypen.

Single, Solo oder One Cam Bogen

Das Bild zeigt einen Singlecam CompoundbogenEin Single Cam Bogen unterscheidet sich von anderen Cam Systemen hauptsächlich dadurch, dass er nur über ein Cam verfügt.

Wie wir an der Funktionsweise eines Compoundbogens gesehen haben, wird die Sehne während des Auszugs vom Cam abgerollt und gleichzeitig das Kabel aufgerollt.

Beim Lösen läuft der Vorgang dann umgekehrt ab und bietet so absolut geraden Schub nach vorne.

Dies klappt natürlich nur dann vernünftig, wenn sich beide Cams spiegelbildlich verhalten. Sie müssen synchron laufen.

Ist dies nicht der Fall, wird in den seltensten Fällen eine gute Gruppierung auf allen Distanzen möglich sein.

Zwar erfordert die Synchronisierung der Cams nur einmalig Arbeit, verlangt dafür aber später nach Kontrolle.

Beim Singlecam Bogen wird einem dieser Aufwand erspart. Dieser besitzt nur am unteren Wurfarm ein Cam.

Anstatt eines zweiten Cams findet sich am oberen Wurfarm dann ein rundes Rad, auch Idler Wheel genannt.

Dies ist nichts anderes als eine Umlenkrolle, die alle Bewegungen der Cam ausgleicht. Sie synchronisiert sich quasi selbst. Aber Achtung: das Timing bleibt einem dadurch nicht erspart.

Dabei läuft die Sehne von der Außenseite des unteren Cams hoch zum Idler Wheel, um dieses herum und auf der Innenseite durch den Kabelgleiter wieder nach unten zum Cam.

Im Gegensatz zu einem Dual Cam Bogen, welcher über zwei Kontrollkabel verfügt, ist an einem Single Cam Bogen nur ein Kabel verbaut. Dieses ist ebenfalls am Cam befestigt und läuft nach oben durch den Kabelgleiter, teilt sich dann und wird an den Außenseiten des oberen Wurfarms befestigt. Die angesprochene Teilung ist auch der Namensgeber für dieses Kabel. Da es „gesplitted“ wird, nennt man es auch Splitkabel. Ebenfalls gebräuchliche Bezeichnungen sind Buss- oder Yoke Kabel.

Bedeutet dies nun, dass ein Singlecam Bogen wartungsfrei ist? Nein, leider nicht. Lediglich die Synchronisation entfällt. Das Timing muss dennoch eingestellt werden.

Insgesamt sind Single Cams aber recht leicht zu warten und zu tunen und meist auch leiser beim Abschuss, wodurch sie bei vielen Schützen beliebt sind.

Als negativ wird häufig die sehr lange Sehne empfunden, insbesondere wenn es um die Rotation der Sehne während des Auszugs geht, was Auswirkungen auf das Verdrehen des Peepsights hat. Bei manchen Modellen ist Nocktravel relativ stark ausgeprägt und nur sehr schwer in den Griff zu bekommen. Dazu kommt, dass die Wand eines One Cam Bogens niemals so hart sein wird, wie die eines Dual Cam Bogens – unabhängig von der Art des Drawstopps.

Double, Dual oder Twin Cams

Bild zeigt einen Dual Cam BogenDer „klassische“ Compoundbogen ist ein Dual Cam Bogen. Falls es so etwas gäbe, wäre ein Dual Cam System das direkte Gegenstück zum Single Cam System.

Seit One Cam Systeme so stark promoted werden, ist der Dual Cam Bogen ein wenig ins Hintertreffen geraten. Was sehr schade ist, denn ohne zu übertreiben kann man sagen, dass das Dual Cam System schnell ist und einen perfekten Pfeilschub mit geringstmöglichem Nocktravel bietet. Wenn … , ja wenn die Rollen perfekt synchronisiert sind und das Timing stimmt.

Im Gegesatz zum One Cam Bogen besitzt ein Double Cam System zwei identische Cams. Die sehne wird nicht umgelenkt, sondern läuft von einem Cam zum anderen. Je nach Modell verfügt der Dualcam Bogen noch ein Yoke und ein Kontrollkabel. Das Yokekabel verläuft dabei von der unteren Cam zu den Außenseiten des oberen Wurfarms. Das Kontrollkabel läuft von einer Cam zur anderen.

Nachteilig ist bei Twin Cams zum einen die Lautstärke. Man muss schon viel unternehmen, wenn man diesem Bogen ein wenig Ruhe beibringen will. Zum anderen der doch recht hohe Überwachungsaufwand, denn alles bei dieser Bogenart steht und fällt mit der perfekten Synchronisation und Timing.

Hybrid Cams

Ein Hybrid ist – wie der Name schon sagt – eine Mischung aus zwei bestehenden Systemen. In diesem Fall aus Singlecam und Doublecam Bogen und soll die Vorteile beider Systeme in einem Bogen vereinen.

Wie alle anderen Systeme auch, verfügt er über eine „Arbeitscam“ am unteren Wurfarm. Anstatt eines Idlerwheels besitzt der Hybrid am oberen Wurfarm jedoch ein Kontrollcam.

Diese ist über ein Kontrollkabel mit dem unteren Cam verbunden, von welcher das obligatorische Splitkabel zum oberen Wurfarm verläuft. Prominentester Hersteller von Hybridbögen dürfte Hoyt sein, welche das ursprüngliche Hybrid CPS System von Darton Archery leicht modifiziert unter der Bezeichnung Cam 0.5 herstellen.

Durch den Einsatz von Hybrid Cams erwirbt man alle Vorteile eines Double Cam Bogens wie geringstmöglichen Nocktravel und Speed, bei gleichzeitiger Wartungsfreundlichkeit eines Single Cams. So zumindest der Gedanke dahinter. Nutzer eines Hoyt Compounds werden aber bestätigen, dass es trotzdem nicht ohne Tuning geht. Wie übrigens auch bei keinem anderen Camsystem.

Binary Cams

Das Beste zum Schluss, sozusagen. Wenn es ein Camsystem gibt, welches wirklich alle Vorteile vereint und Nachteile vermeidet, dann sind es die Binary Cams. Diese haben zwar auch einen Nachteil, auf welchen wir gleich zu sprechen kommen, bieten ansonsten aber nur Vorteile.

Ein Binary Camsystem besitzt neben der Sehne, welche von Cam zu Cam läuft, zwei Kontrollkabel. Allerdings sind die Cams so konstruiert, dass jeweils ein Kabel von der einen zur anderen Cam läuft und nicht von Cam zu Wurfarm.

Die Probleme, die sich bei anderen Systemen dadurch ergeben, dass das Cam mit dem gegenüberliegenden Wurfarm verbunden ist, hat man bei den Binarys nicht.

Theoretisch synchronisiert sich das System selbst. Praktisch ist das aber nicht der Fall, da sich die Wurfarme durch Materialunterschiede niemals exakt gleich verhalten. Binary Cams sind aufgrund ihrer Konstruktion aber so einfach zu tunen, dass es eine wahre Freude ist.

Ist die Synchronisation und das Timing einmal eingestellt, passt der Bogen für jeden Schützen, was bei anderen Systemen aufgrund unterschiedlicher Griffpositionen nicht unbedingt der Fall ist.

Jetzt zum Nachteil von Binary Cams. Camlean! Wobei das an sich ja nichts besonderes ist. Schließlich haben das nahezu alle Bögen.

Das Problem bei Binary Cams ist, dass sich das Camlean nicht direkt am Bogen beheben lässt. Während man bei einem Hybrid, Single- oder Dualcam Bogen einfach durch ein- oder ausdrehen der Splitkabel das Camlean fast eliminieren kann, geht das bei Binary Cams leider nicht.

Ausgerechnet die Konstruktion, welche das Tuning dieser Cams so komfortabel macht – nämlich die Kabelführung von Cam zu Cam – verhindert das negieren von Camlean.

Bei Binary Cams ist man gezwungen, Kabeldruckreduzierungssysteme wie Arc Tec`s CPR oder das amerikanische Pendant, den Tilt Tamer zu verwenden, um Camlean weitestgehend zu vermeiden. Und da ist mittlerweile nur noch das Arc Tec System zu bekommen, da die Produktion des Tilt Tamers eingestellt wurde.

Abhilfe schafft hier eine Weiterentwicklung der Binary Cams. Bowtech, die ursprünglichen Erfinder, sind mit ihren Overdrive Cams zurück zum Splitkabel und sorgen so dafür, dass Camlean komplett vermieden werden kann.

Der Clou daran ist die Aufhängung des Splitkabels. Das führt nämlich nach wie vor nicht von Cam zu Wurfarm, sondern immer noch von Cam zu Cam. Aber seht selbst:

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